Konzerttasche China

 

Für ihre Orchestertournee (elliho.at/chinatournee) hat sich meine Mama eine schwarze Konzerttasche gewünscht. (Also eine schwarze, elegante aber unauffällige Tasche, die sie bei Konzerten mit auf die Bühne nehmen kann.)

 

Im Stoffgeschäft haben wir ein schwarzes Kunstleder und, da etwas Pepp nie fehlen darf, einen blau gemusterten Innenstoff gefunden. Für den Schnitt habe ich das Schnittmuster der Tasche Leda von FadenFreundin hergenommen und habe ihn nach oben hin schräg verlängert. Außerdem habe ich eine zweite Innentasche hinzugefügt.

Diese zweite Innentasche (die Rechteckige, am Foto unten bzw. rechts) habe ich mit einem Zipp an bzw. in eines der Seitenteile aus Kunstleder eingenäht. Da ich sowohl die Öffnung zu groß, als auch die Innentasche etwas zu klein zugeschnitten hatte, musste ich etwas improvisieren und anstückeln aber das Endergebnis ist gar nicht schlecht geworden.

Die Abnäher für den Boden habe ich ebenfalls von FadenFreundins Tasche Leda übernommen.

Da ich die zweite (strenggenommen die erste) Innentasche im Bruch zugeschnitten hatte, brauchte ich sie nur unten einmal runtherum zunähen (dabei eine Wendeöffnung offen lassen), die NZ einschneiden, das ganze Teil umdrehen, glatt bügeln und auf dem einen der Seitenteile des Futterstoffs festnähen. Damit ich sie nicht zu hoch annähe, habe ich den Teil von der Tasche, der zum Schluss umgeschlagen wird, vom Schnittmuster ausgeschnitten und oben auf das Seitenteil gelegt. Auf dem Foto etwas schwer zu erkennen, aber ich hab die Innentasche oberhalb der Abnäher und unterhalb des späteren Umschlags angebracht. Ursprünglich wollte ich sie noch senkrecht in zwei Fächer unterteilen, hab es dann aber doch gelassen damit das Handy rein passt. Im Nachinein hätte ich sie wohl doch unterteilen sollen, da man jetzt, wenn man in die Tasche rein greift, sofort in der Innentasche landet, da sie nicht wirklich am Seitenteil anliegt, sondern viel mehr in die Tasche rein ragt… Naja, aus Fehlern lernt man.

Nachdem beide Innentaschen befestigt waren habe ich den oberen Zipp eingenäht.

Um aus den einzelnen Schichten nun endlich eine Tasche zu machen aus der nichts raus fällt, habe ich den Zipp ein Stück weit geöffnet, Innenstoff auf Innenstoff und Außenstoff auf Außenstoff gelegt und habe einmal runtherum genäht, wobei ich jeweils kurz vor dem Zipp aufgehört und kurz nach ihm wieder angefangen habe. Eine Wendeöffnung im Futterstoff durfte natürlich auch nicht fehlen.

Einmal alles um- und ineinandergestülpt, die Wendeöffnung im Futter zugenäht und fertig war die Tasche. Naja fast halt…

Der schwierigste Teil (oder jedenfalls der Nervenaufreibenste) kam erst noch, aber das war mir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht bewusst.
Der Schultergurt. Hierfür hab ich einen langen Streifen aus Kunstleder zugeschnitten, ca. 1,3m  lang und 4x so breit wie der Gurt zum Schluss werden sollte. Da das Kunsleder etwas strechig war und ich dem Gurt etwas Stabilität verleihen wollte, habe ich einen Streifen Bundfix (eine Bügeleinlage, die normalerweise für den Bund von Röcken oder Hosen hergenommen wird) zurechtgeschnitten, so lang wie der Kunstlederstreifen, aber nur so breit wie der Gurt zum Schluss werden soll, also nur 1/4 mal so breit. Diesen Streifen Bundfix hab ich am Rand vom Kunstlederstreifen aufgebügelt und diesen dann zweimal eingeschlagen, etwa so wie Schrägbänder gemacht sind.

Mein Plan war es, den so entstehenden Schultergurt einmal links und rechts abzunähen und fertig. So leicht war es dann aber leider nicht. Da ich keinen speziellen Fuß für Kunstleder besitze, ist mein Standartfuß, den ich verwendet habe, am Kunstleder picken geblieben und der Gurt hat sich schon nach sehr kurzer Zeit eingewellt.

Meine nächste Idee war dann, den Gurt von der anderen Seite zu nähen, sodass sich der Teil, bei dem das Bundfix aufgebügelt war, oben, also näher am Fuß befand. Hat auch funktioniert… so etwa 30cm lang, dann fing das Wellen wieder von vorne an.

Nach kurzem Verweifeln und etwas googeln bin ich auf den Tipp gestoßen, Backpapierstreifen von beiden Seiten mitzunähen damit der Fuß besser gleitet. Mit dieser Technik hab ich es dann tatsächlich geschafft einen geraden, flachen Gurt zu nähen.

Allerdings gab es auch ein paar nicht zu kleine Nachteile an dieser Technik. Zum einen ist der Fuß jetzt so gut dahin geglitten, dass es schwer war eine gerade Naht zu nähen und ich dadurch öfters kleine Sprünge gemacht hab, was bei einem schwarzen Stoff mit schwarzem Faden nicht all zu schlimm war. Wesentlich schlimmer war, dass ich durch das Backpapier nicht mehr gesehen habe, wo ich genäht habe, was die Sache etwas “verkompliziert” hat… Und last but not least hat das Ablösen des Backpapiers nach dem Nähen lange nicht so gut funktioniert wie in der Anleitung beschrieben. Zum einen ist das Backpapier immer wieder eingerissen und ich habe eine beachtliche Zeit mit einer feinen Pinzette und viel Geduld damit verbracht die Backpapierfutzeln aus der Naht zu lösen, zum anderen hat sich die Naht durch das Abreißen vom Backpapier etwas gelockert, jedenfalls hatte ich das Gefühl sie hätte es, vielleicht war das aber auch nur eine Täuschung… Was jedenfalls keine Täuschung war, waren die kleinen Schlaufen die sich ab und zu in der Naht gebildet haben…

Aber, Not macht erfinderisch, ich hab dann so lange an den Schlaufen herum gezogen bis ich eine Große hatte, die hab ich dann in der Mittte auseinandergeschnitten und die beiden Fäden verknotet und abgeschnitten. Problem gelöst! 😉

 

Noch die passenden Karabiener angenäht und Fertig war der Schultergurt.

Um den dann auch an der Tasche befästigen zu können, habe ich solche Dinger an zwei D-Ringe genäht und diese dann seitlich (und von Hand) an der Tasche angebracht.

Fertig! Tadaa:

Die Tasche ist bei ihrer neuen Besitzerin gut angekommen und ist bereits weiter gereist als ich das in meinem Leben wohl je tun werde.  😉 Wen es interessiert, auf elliho.at/chinatournee hat Reinhild Tagebuch über ihr Abenteuer geführt, ich kann es nur empfehlen!
(Ich wollte die Seite eigentlich “Hilde on tour” nennen aber sie war irgendwie nicht einverstanden… >_<)

Bis bald!
Elli 🙂

vor 2 Jahren