Alte Geschichten in neuem Glanz

 

Ich wurde gebeten ein 64 Jahre altes Kinderbuch zu restaurieren. Die Buchdecke hatte sich abgelöst und die Bindung war an mehreren Stellen eingerissen. Das Cover hatte außerdem an den Ecken angefangen, sich in seine Einzelteile zu zerlegen.

 

 


 

Auseinander nehmen:

Ich habe damit angefangen, das Buch in seine Einzelteile zu zerlegen. Ich hab also zuerst das Cover vorsichtig komlett vom Buchblock gelöst und dann den Faden der Bindung aufgeschnitten und rausgelöst.

Der Buchblock:

Um den Buchblock zu reparieren habe ich erst die vier Lagen (auch Signaturen genannt), aus denen er bestand, auseinander genommen und diese dann erneut auseinander genommen, (ohne dabei die richtige Reihenfolge der Seiten aus den Augen zu lassen) sodass ich zum Schluss jede Seite einzelt bearbeiten konnte. Da diese oft in der Mitte durch die alte Bindung eingerissen waren, habe ich jede Doppelseite erst von alten Kleberesten befreit und dann die Risse mit Filmoplast P geklebt. Filmoplast P ist ein transparentes Reperaturklebeband für Bücher und Dokumente, das unter anderem dazu da ist, eingerissene Seiten unauffällig wieder zu verbinden. Außerdem ist es lösemittel-, säure-und phthalatfrei, alterungsbeständig und vergilbt nicht. Es hat also alles, was ein Reperaturklebeband für Bucher haben und können muss. Da es aber sehr fein und dadurch natürlich nur begrenzt stabil ist, habe ich die Seiten von beiden Seiten geklebt.

Um die richtige Reihenfolge der Seiten nicht zu verlieren, habe ich Lage für Lage bearbeitet und immer gleich wieder zusammengelegt, bis ich zum Schluss wieder den Buchblock beisammen hatte.

Da ich die Original-Bindeart des Buches nicht ganz durchschaut habe, habe ich einen Stich verwendet den ich in der Schule gelernt hab. Im Grunde webt man dabei Lage für Lage von  einem Ende zum anderen, “springt” am Ende zur nächsten Lage und webt in dieser wieder zurück, wo man dann die eben gewebte Lage mit der darunter verbindet bevor man nach oben in die nächste Lage geht, wieder zurück webt, die Lage mit der darunter verbindet, nach oben in die nächste Lage geht, wieder zurück webt usw. usw., bis man bei der letzten Lage angekommen ist, diese ebenfalls entlang webt und am Ende mir der Lage darunter verknotet. Normalerweise wird dabei von außen noch eine sogenannte Heftgaze (oder ein anderes Band) miteingebunden aber die habe ich hier leider vergessen.

 

 

 

 

Nach dem Binden habe ich den Buchrücken geleimt. Dazu habe ich den Buchblock zwischen zwei Holzolatten eingeklemmt, mit Schraubzwingen zusammengedrückt und zwei Schichten Buchbindeleim auf den Buchrücken gepinselt. Leider habe ich vergessen davon ein Foto zu machen.

Das Buchcover:

Bevor ich das Cover zusammengesetzt habe, also aus Buchrücken und Buchdecke wieder ein vollständiges Cover gemacht habe, habe ich versucht die sich auflösenden Ecken zu reparieren. Dazu habe ich mit einem feinen Pinsel Leim zwischen die Lagen gestrichen und den Buchrücken bzw. die Buchdecke dann zwischen zwei Lagen Backpapier für ein paar Stunden in die Buchpresse gegeben.

 

Um aus Buchrücke und Buchdecke wieder ein vollständiges Cover zu machen habe ich sie von außen mit einem Streifen Filmoplast P und von innen mit einem Streifen Filmoplast P90 plus zusammengeklebt. Folmoplast P90 plus ist mehr oder weniger der große Bruder vom Filmoplast P. Es ist weiß, kräftiger und klebt besser, wodurch es natürlich auch auffälliger ist, aber da man es in meinem Fall zum Schluss nicht sehen wird, spielt das keine Rolle.

Zusammen setzen:

Zum Schluss hab ich den Buchblock wieder mit etwas Buchbinderleim in das Buchcover geleimt. Fertig!

   

Es war das erste Mal, dass ich ein Buch auseinandergenommen, bearbeitet und wieder zusammen gesetzt habe. Ich kann sicher noch einiges lernen, aber ich denke ich habe mich nicht gänzlich blöd angestellt. In jedem Fall hat es sehr Spaß gemacht und ich werde wohl in Zukunft öfter durch Bücherflohmärkten bummeln und nach alten Büchern ausschau halten. 😉

vor 2 Jahren